Bach, Chopin, Beethoven: Komponisten kennt man einige. Doch welche frühen Komponistinnen gibt es, die Sie unbedingt kennen sollten? Wir stellen Ihnen die ersten und bedeutendsten Komponistinnen der Geschichte vor. Ihre Werke und Errungenschaften haben nicht nur neue musikalische Maßstäbe gesetzt, sondern auch den Weg für zukünftige Generationen von Musikerinnen geebnet.
Die ersten Komponistinnen
Bereits im Mittelalter und in der Renaissance gab es einige Frauen, die ihre eigene Musik komponierten und teilweise auch veröffentlichten. Obwohl es für sie als Frauen besonders schwer war, sich gegenüber ihren männlichen Kollegen und der gesellschaftlichen Ordnung durchzusetzen, haben einige von ihnen Beeindruckendes auf die Beine gestellt.

Klaviatur mit Notenpapier und Schreibfeder. Vor allem für frühere Komponistinnen waren die Klaviatur und das Notenpapier essenziell für ihre Arbeit. Foto: Mathilda Meyer
Hildegard von Bingen
Die Geschichte weiblicher Komponistinnen beginnt früher, als man vielleicht denkt: nämlich im zwölften Jahrhundert mit Hildegard von Bingen. Die deutsche Nonne und Benediktinerin lebte von 1098 bis 1179 und ist bis heute eine wichtige Figur in der katholischen Kirche. Das Komponieren war dabei nicht ihre Haupttätigkeit: Hildegard war Universalgelehrte und hat einige wichtige Schriften, unter anderem über die Emanzipation der Frau, verfasst. Ihr größtes musikalisches Werk heißt „Ordo Virtutum“, es ist ein Musikdrama mit Gesängen, in dem die Tugenden und der Teufel um die Seele kämpfen. Im Jahr 2012 wurde Hildegard von Bingen vom Papst heiliggesprochen.
Maddalena Casulana Mezari
Die genauen Geburts- und Sterbedaten der Italienerin Maddalena Casulana sind unbekannt, vermutlich wurde sie jedoch um 1544 geboren. Bekannt ist sie vor allem als erste Frau, die ihre eigenen Kompositionen drucken und somit auch veröffentlichen ließ. Komponiert hat sie fast ausschließlich Madrigale, also eine Art Singgedichte. Casulana war auch über Italiens Grenzen hinaus bekannt, obwohl ihre Werke nur in Venedig gedruckt wurden. Des Weiteren war sie auch Sängerin und Lautenistin und trat in verschiedenen europäischen Städten auf.
Komponistinnen des Barocks
Die Epoche des Barock lässt sich etwa auf den Zeitraum von Beginn des 17. Jahrhunderts bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts begrenzen. Musikalische Merkmale sind:
- die Ornamentik: das Verzieren und Ausschmücken der Stücke
- die Dynamik: durch den Einsatz des Hammerklaviers konnte man gezielt laut oder leise spielen
- der Basso Continuo (Generalbass): eine eigene, durchlaufende Bassstimme, die begleitend zur Melodie eingesetzt wird
Francesca Caccini
Die Italienerin Francesca Caccini lebte vermutlich zwischen 1587 und 1641. Sie stammte aus einer Künstlerfamilie und arbeitete am Hof der Medici. Früh wurde sie zur Musikerin und Komponistin ausgebildet und war außerdem hoch anerkannt. Caccinis Kompositionsstil enthält sowohl Elemente der Renaissance als auch des frühen Barock. Besonders hervorzuheben ist ihre gesangliche Begabung, die ihr den Beinamen „La Cecchina“ (= der Singvogel) einbrachte — sowie die Tatsache, dass sie die erste Frau war, die eine Oper schrieb.
Barbara Strozzi
Geboren im Jahr 1619 als angebliche Adoptivtochter des venezianischen Adeligen Giulio Strozzi, erhielt Barbara Strozzi bereits früh Musikunterricht. Sie war eine hervorragende Sängerin und vertonte viele Texte männlicher Intellektueller. Das Hauptthema ihrer Sologesänge war jedoch die Liebe und das damit verbundene Leid. Sie hatte vier uneheliche Kinder und war bis zu ihrem Tod 1677 alleinstehend. Beeindruckend ist vor allem ihr großes Werk, das aus acht Sammlungen besteht, darunter finden sich Arien, Kantate und Madrigale. Barbara Strozzi gilt als Erfinderin der Kantate und ist bis heute für die emotionale Tiefe und Virtuosität ihrer Werke bekannt.
Klassische Komponistinnen
Marianna Martines
Joseph Haydn hatte sie als Schülerin: Marianna Martines, einer neapolitanischen Familie mit spanischen Vorfahren entstammend, wurde 1744 in Wien geboren und genoss durch die guten Kontakte ihrer Eltern ausgezeichnete musikalische Bildung. Als sie 17 Jahre alt war, wurden bereits erste Werke von ihr aufgeführt. 1773 nahm die Accademie Filarmonica Bologna sie auf — damit war Martines dank ihres Talents die erste Frau überhaupt in dieser angesehenen Runde. Sie schrieb eine Vielzahl an Werken, darunter einige Kantaten, Sonaten sowie Sinfonien und Oratorien. Außerdem war sie eine begabte Pianistin.
Maria Theresia von Paradis
Die Wienerin Maria Theresia von Paradis wurde 1759 geboren. In Anbetracht ihrer Umstände ist ihre Geschichte besonders bemerkenswert. Denn Maria Theresia war seit früher Kindheit blind. Trotzdem wurde sie eine erfolgreiche Musikerin und Komponistin. In den 1780er Jahren war sie für drei Jahre in ganz Europa unterwegs und gab Konzerte. Außerdem hatte sie einen Notensetzkasten, mithilfe dessen sie selbstständig Kompositionen anfertigen konnte. Über ihr eigenes musikalisches Schaffen hinaus setzte sie sich für junge blinde Menschen und junge Musikerinnen ein und unterrichtete diese auch selbst. Das bis heute berühmteste Werk von Maria Theresia heißt „Sicilienne“.
Wir hoffen, Ihnen hat dieser Artikel von uns gefallen und Sie haben einen guten Überblick über einige der bedeutendsten frühen Komponistinnen erhalten. Anhören können Sie sich viele der genannten Werke auf Youtube, hier finden Sie zum Beispiel die Sicilienne.
Wenn Sie weitere berühmte Persönlichkeiten der Musikgeschichte interessieren, lesen Sie doch gerne unsere Artikel über Französische Komponisten.
Quellen
- https://www.br-klassik.de/themen/klassik-entdecken/alte-musik/stichwort-hildegard-von-bingen-100.html
- https://mugi.hfmt-hamburg.de/receive/mugi_person_00000080
- https://www.br-klassik.de/aktuell/news-kritik/komponistin-maddalena-casulana-wiederentdeckt-100.html
- https://www.kunstplaza.de/musik/barockmusik-kennzeichnende-merkmale/
- https://www.br-klassik.de/themen/klassik-entdecken/alte-musik/stichwort-barbara-strozzi-100.html
- https://www.ndr.de/kultur/musik/klassik/Francesca-Caccini-Komponistin-am-Hof-der-Medicis,francescacaccini100.html
- https://www.berliner-philharmoniker.de/stories/marianna-martines/
- https://www.archiv-frau-musik.de/archives/augen-zu-lass-die-ohren-nicht-glauben-maria-theresia-paradis