Kadenzen in der Musik finden Sie am Ende einzelner Abschnitte oder eines ganzen Musikstücks. Das kann man auch sehr gut hören. Vielleicht ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass das Ende eines Stückes meistens sehr passend und gut klingt. Oder Sie hatten vielleicht schon einmal das Gefühl, da fehlt noch etwas, das Stück ist noch nicht richtig beendet. Um zu verstehen, warum das so ist, sollte man die verschiedenen Arten von Kadenzen und ihre Wirkung kennen. Welche unterschiedlichen Kadenzen es gibt, und wofür das Wissen über Kadenzen nützlich sein kann, erklären wir Ihnen in diesem Artikel.
Wofür braucht man Kadenzen?
Da am Ende eines jeden Musikstückes irgendeine Form von Kadenz zu finden ist, kann es sich lohnen, sich einmal genauer mit diesen auseinander zu setzen. Vor allem kann die Kenntnis der unterschiedlichen Kadenzen nützlich sein, um
- zu verstehen, warum sich manche Schlusswendungen abgeschlossen anhören und bei anderen noch eine Spannung in der Luft hängt
- einen passenden Schluss mit der gewünschten Wirkung für eigene Kompositionen zu finden
- bei einer Improvisation zu einem schnellen, aber guten, Ende zu kommen
Was sind Kadenzen — kurze Erklärung
Kadenzen sind Schlusswendungen, die für eine bestimmte Wirkung am Ende eines Stückes sorgen. Eine Kadenz besteht aus mehreren Akkorden, die auf verschiedenen Tonleiterstufen aufgebaut sind. Welche Stufen das jeweils sind, ist von der Art der Kadenz abhängig. Wichtige Grundlage für das Verstehen der Kadenzen ist daher die Kenntnis der Hauptfunktionen einer Tonleiter. Wer also noch schnell sein Wissen über Tonika, Dominante und Subdominante auffrischen möchte, kann unseren Artikel über den Quintenzirkel lesen. Diese Begriffe werden im Folgenden mit T für Tonika, D für Dominante und SD für Subdominante abgekürzt.
Aufbau einer Kadenz
Eine Kadenz besteht grundsätzlich aus drei Teilen:
- Antepenultima: Die Antepenultima ist der drittletzte Teil der Kadenz. An dieser Stelle können verschiedene Funktionen stehen.
- Penultima: Die Penultima ist der vorletzte Teil der Kadenz und bereitet auf die Ultima vor.
- Ultima: Die Ultima bildet den allerletzten Akkord der Kadenz bzw. des Stückes. Hier entscheidet sich auch endgültig die Art der Kadenz – je nachdem auf welcher Stufe einer Tonleiter man endet, liegt eine andere Kadenz vor.
Was sind Kadenzen — Verschiedene Schlusswendungen vorgestellt
Im Folgenden stellen wir Ihnen die wichtigsten Formen von Kadenzen vor. Wir erklären, wie sie aufgebaut sind und wie sie auf die Hörer’innen wirken.
Ganzschluss
Die vollkommene Kadenz (auch Vollschluss, authentische Kadenz) ist der „klassische”, stimmige Schluss eines Stückes. Das besondere Merkmal der vollkommenen Kadenz ist der Übergang von der Dominante (5. Stufe) in die Tonika (1. Stufe) am Ende. An der Stelle der Antepenultima steht hier meist ein subdominantischer Klang (4. Stufe). Die authentische Kadenz im Speziellen teilt sich außerdem noch in zwei Kategorien auf.
- Bei der vollkommenen authentischen Kadenz stehen der Dominant- sowie der Tonika-Akkord in Gundstellung. Das bedeutet, der Grundton des Akkords ist auch der jeweilige Basston. Außerdem steht beim Tonika-Akkord der Grundton in der Melodiestimme (Oktavlage).
- Die unvollkommene authentische Kadenz hingegen erfüllt mindestens eine dieser beiden Bedingungen nicht.
In C-Dur sieht ein Ganzschluss folgendermaßen aus:
- F-Dur (SD)
- G-Dur (D)
- C-Dur (T)
Halbschluss
Ein Halbschluss ist im Prinzip eine nicht abgeschlossene Vollkadenz. Hier fehlt nämlich die Tonika am Ende. Der Halbschluss endet auf der fünften Stufe, der Dominante. Die Dominante baut Spannung auf. Beim Halbschluss endet der Abschnitt dort – die Spannung bleibt unaufgelöst und wird nicht in der Tonika gelöst.
Ein Halbschluss in der Tonart C-Dur wäre also folgendermaßen aufgebaut:
- F-Dur (SD)
- G-Dur (D)
Trugschluss
Der Trugschluss enthält, wie der Name schon sagt, eine unerwartete Wendung. Denn an Stelle der Ultima steht hier nicht etwa die Tonika, sondern eine andere Funktion. Meist ist das die Tonikaparallele in Dur oder der Tonikagegenklang in Moll. Auch der Trugschluss ist also nicht endgültig, sondern verlangt ebenfalls nach einer Auflösung in die Tonika.
Ein Beispiel für C-Dur:
- G-Dur (D)
- a-Moll (sechste Stufe, Tonikaparallele)
In a-Moll hingegen kann ein Trugschluss folgendermaßen aussehen:
- E-Dur (D)
- C-Dur (dritte Stufe, Tonikagegenklang)
Plagalschluss
Die plagale Kadenz endet wie die vollkommene Kadenz auf der ersten Stufe. Allerdings unterscheidet sich hier die Funktion, die an der Stelle der Penultima steht. Das ist nämlich die Subdominante. Der Plagalschluss zeichnet sich also durch den Übergang von der Subdominante in die Tonika aus. Dies klingt etwas weniger spannungsvoll als die vollkommene Kadenz.
Ein Plagalschluss in C-Dur enthält die folgenden Akkorde:
- F-Dur (SD)
- C-Dur (T)
Die picardische Terz
Die picardische Terz kann bei Kadenzen vorkommen, die grundsätzlich in einer Moll-Tonart stehen. Hier wird bei einer vollkommenen Kadenz am Ende nicht der Moll-Akkord auf der Tonika aufgebaut, sondern der Dur-Akkord. Die Terz des Moll-Akkords wird also um einen Halbton erhöht. Damit kann auch ein eher ernstes oder melancholisches Stück am Ende einen hellen, aufmunternden Klang haben.
Wir hoffen, Ihnen hat dieser Artikel gefallen und Sie konnten etwas dazu lernen. Für Interessierte rund um das Thema Harmonielehre könnte auch unser Artikel über die Kirchentonarten spannend sein. Noch tiefer in die Materie geht es zum Beispiel im Buch „Psychakustische Schallfeldsynthese für Musik” von Tim Ziemer (2023).
