Was DH bedeutet, können Sie mit gängigen Abkürzungsverzeichnissen nicht herausfinden. Die DH-Abkürzung ist selbst in unserer Branche nicht weit verbreitet. Wir erklären Ihnen, wofür das Kürzel steht.

DH im Kontext

Das Kürzel DH finden Sie oft in Zusammenhang mit der Abkürzung IT (Informationstechnik), dem Akronym EDV (Elektronische Datenverarbeitung), dem WWW (World Wide Web) und Sprachen, wie XML (Extensible Markup Language), HTML (Hypertext Markup Language) und der Datenbanksprache SQL, sowie Datenstandards, wie TEI (Text Encoding Initiative), MEI (Music Encoding Initiative) und Musical Instrument Digital Interface (MIDI). Haben Sie „DH“ in diesem Kontext gelesen? Dann liegt die Lösung nah…

DH als Abkürzung für Digital Humanities in Musikarchiven

DH-Projekt ESRA, mit Selbstorganisierender Karte (links), Tags (links unten), einem Musikplayer (Mitte) und einer Datenbank (rechts) mit Suchfunktion. Screenshot: Tim Ziemer

DH bedeutet „Digital Humanities“

Die Abkürzung DH bedeutet „Digital Humanities“, also digitale Geisteswissenschaften. Die digitalen Geisteswissenschaften nutzen Computertechnologie, um Geschichte, Gesellschaft und Kultur zu erforschen. Weit verbreitet in den DH sind:

  1. Digitale Editionen nutzen Server, Datenbanken und digitale Technologien, wie neuronale Netze und Sonifikation, um Quellenmaterial zugänglich zu machen, wie Tonaufnahmen oder Partituren.
  2. Digitale Sammlungen enthalten zum Beispiel Briefwechsel, Fotografien, Karten und Autografe, also Manuskripte bedeutender Persönlichkeiten.
  3. Digitale Wörterbücher enthalten Fachbegriffe und Kürzel zu einem abgeschlossenen Thema, mit kurzen Erklärungen und Querverweisen.

Diese Archive dienen als Infrastruktur, um zum Beispiel mittels maschinellen Lernens Big Data Analysen durchzuführen. Wir haben zum Beispiel gezeigt, dass Producer und nicht Rapper den Hip-Hop-Sound dominieren. Dazu haben wir Musik gesammelt, Merkmale extrahiert, mit einer selbstorganisierenden Karte visualisiert, und schließlich statistisch ausgewertet.

Digital Humanities haben starke Überschneidungen mit der Systematischen Musikwissenschaft. Unsere Arbeit im DH-Bereich ist zum Beispiel das Ethnografische Musikarchiv E.S.R.A. In einem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie diese Musiksammlung mit einem neuronalen Netz durchstöbern. Mehr über Vergleichende Musikwissenschaft erfahren Sie in einem eigenen Artikel.

Quellen

Rolf Bader (Hrsg.): Computational Phonogram Archiving, Springer: Cham 2019

Rolf Bader (Hrsg.): Computergestützte Archivierung von Tonträgern, Springer: Cham 2024

Tim Ziemer, Nikita Kudakov & Christoph Reuter, „Producer vs. Rapper: Who Dominates the Hip Hop Sound?“, Journal of the Audio Engineering Society 73(1/2), 2025