In FL-Studio Vocals bearbeiten: Für viele Produzent’innen eine große Herausforderung. Doch mit unserer Anleitung klingen Ihre Aufnahmen hochwertig. Wir zeigen Ihnen, wie Sie eine Stimme aufnehmen und bearbeiten.
FL-Studio Vocals bearbeiten DIY
Zwar kann jede Aufnahmesituation unterschiedlich sein, doch einige grundlegende Schritte bei der Bearbeitung von Vocals bleiben immer gleich. FL-Studio besitzt eine große Breite an integrierten Tools, um Vocals zu optimieren. Mit folgenden Tipps minimieren Sie Fehler und bringen Ihre Vocals zum Strahlen.

Im nächsten Schritt erfahren Sie, wie Sie störende Resonanzen in Ihrem Mikrofon, reduzieren können. Foto: Alireza Moradpour
FL-Studio Vocals — Korrektur in FL Studio
Für optimale Vocals müssen Sie zunächst einige grundlegende Korrekturen durchführen. Wichtig sind hierbei:
- Die Aufnahme selbst
- Pitch-Korrektur
- chirurgischer Equalizer
- Kompression
- De-Esser und
- Audio-Effekte.
Wir führen Sie Schritt-für-Schritt durch alle Stationen.
Aufnahme
Zu Beginn ist es wichtig, die Vocals in hoher Qualität aufzunehmen, weil dies viele Probleme bei der späteren Bearbeitung verhindert. Ein entscheidender Faktor dabei ist die Raumakustik: Da Amateur’innen selten die Möglichkeit haben, in einem wunderschön-klingenden Raum à la „Motown-Sound“ aufzunehmen, sollten Sie möglichst hallarm aufnehmen und später einen Hall beimischen. Für einen Hallarmen Sound können Sie Absorber selber bauen.
Nutzen Sie ein Mikrofon, welches zu ihrer Stimme passt und vermeiden Sie Hintergrundgeräusche. Helle Stimmen profitieren oft von einem wärmeren Mikrofon, während dunklere Stimmen von Modellen mit mehr Höhenanteil profitieren. Ein Test verschiedener Mikrofone hilft, das richtige Modell zu finden. Auch das Playback sollte über Kopfhörer abgespielt werden, anstatt über Lautsprecher, um ungewollte Übersprechungen auf der Aufnahme zu verhindern. Achten Sie darauf, die Lautstärke nicht zu hoch einzustellen, damit das Playback nicht versehentlich mit aufgenommen wird.
Um Störresonanzen von günstigeren Mikrofonen abzuschwächen, fügen Sie einen Equalizer zu ihrer Aufnahmespur hinzu und stellen Sie einen Band mit +20 dB ein. Suchen Sie die Frequenzen, die total röhren und schwächen diese um 10 dB ab. Dies müssen Sie typischerweise bei 1 bis 2 Frequenzen durchführen. Im Folgenden hören Sie Beispielaufnahmen beginnend mit der trockenen Aufnahme, anschließend mit einer angehobenen Störfrequenz und abschließend einer korrigierten Version:
Trockene Version:
Stör-Frequenz:
Korrigierte Version:

FL-Studio Vocals bearbeiten: Dies ist die Bearbeitung für die korrigierte Version, Screenshot: Thomas Fischer
Pitch-Korrektur
Um ihre Vocals in die richtige Tonhöhe zu bringen, führen Sie eine sogenannte „Pitch-Korrektur“ durch. Dafür benutzten Sie den zum Beispiel den NewTone Editor. Alternativen sind Autotune, VocAlign, den Vocal Bender. Im NewTone Editor bringen Sie jede gesungene Silbe in die gewünschte Tonhöhe. Gerade zu Beginn Ihrer Gesangslaufbahn hilft dieses Tool, um Fehler zu korrigieren. Beachten Sie dabei, wie stark Sie die Korrektur vornehmen. Korrigieren Sie jede gesungene Silbe perfekt auf die Tonhöhe, entsteht schnell einen roboterähnliche Klang. Hier ist es wichtig, die Balance zwischen perfekt korrigierten Tönen und ursprünglichen Tönen zu halten. Letztendlich setzen Sie die Pitch-Korrektur je nach Geschmack als Tool ein.
chirurgischer Equalizer
Der Equalizer ist einer der wichtigsten Tools in der Musikproduktion. Dieses Tool wird verwendet, um unerwünschte Frequenzen zu entfernen. Hierfür verwenden Sie den „Fruity Parametric EQ 2“. Dieser Equalizer besitzt insgesamt 7 Bänder.
Um unangenehme Störfrequenzen zu senken, nutzen Sie die Sweep-Methode:
- Stellen Sie einen schmalen Bell-Band-Filter auf 0 dB ein
- Ziehen Sie in während des Hörens langsam nach rechts. Bleiben Sie stehen, wenn es unangenehm im Ohr erklingt.
- Drehen Sie jetzt den Pegel runter, bis der Frequenzbereich angenehm wirkt.
Um positive Merkmale der Stimmer hervorzuheben, nutzen Sie ebenfalls die Sweep-Methode:
- Setzen Sie einen schmalen Bell-Band auf 0 dB.
- Ziehen Sie ihn während des Hörens langsam nach rechts. Bleiben Sie stehen, wenn es gut klingt.
- Drehen Sie jetzt an dem Pegel, bis der Frequenzbereich betont, aber nicht unnatürlich laut klingt.
- Reduzieren Sie bei Begleitinstrumenten, wie Klavier, Gitarre oder Streichern den Pegel genau dieses Frequenzbereichs.
- Wiederholen Sie diesen Schritt für einen Frequenzbereich zwischen 4 und 10 kHz, damit die Stimme brillant und verständlich klingt.
- Wiederholen Sie diesen Schritt ebenfalls für den Frequenzbereich ab 10 kHz, um ein offenes Klangbild zu schaffen.

Ihre Stimmer verbessern Sie lieber mit grafischen Equalizern, als mit den parametrischen Equalizern Ihres Mischpults. Foto: Tim Ziemer
Kompression
Der Kompressor ist ebenfalls ein wichtiges Tool, in der Vocalbearbeitung. Mit den richtigen Einstellungen haben Sie eine Kontrolle, über die Dynamik der Aufnahme. Die Pegel leiser Passagen werden angehoben, die laute Passagen werden gesenkt. So die Vocals gleichmäßig und gut hörbar. Um in FL-Studio Vocals zu bearbeiten, nutzen Sie den „Fruity Compressor“. Der Standard-Kompressor besitzt vier Regler:
- Der sogenannte „Threshold“ (Schwellwert) Parameter bestimmt, ab welchem Pegel der Kompressor beginnt zu arbeiten. Der Arbeitseinsatz wird mit der Einheit „Dezibel“ gemessen.
- Die Attack-Zeit ist die Dauer, die der Pegel den Threshold überschreiten muss, bevor der Kompressor anspringt. Eine höhere Attack-Zeit erlaubt laute Plosive, aber keine lauten Vokale und Frikative. Das hilft für die Sprachverständlichkeit.
- Der Ratio-Wert gibt das Verhältnis der Kompression des Signals an. Ein Verhältnis von 2:1 bedeutet zum Beispiel, dass wenn das Eingangssignal um 80% lauter als der Schwellwert wird (das sind 5,1 dB), das Ausgangssignal nur um 40% lauter wird (das sind 2,9 dB). Bei 8:1 wird es entsprechend nur um 10% lauter (das sind 0,8 dB).
- Release ist die Ausschaltzeit des Kompressors nach Unterschreiten des Schwellwertes, d.h., wie lange der Kompressor braucht, um aufzuhören zu arbeiten, nachdem der Schwellwert unterschritten wird.
De-Esser
Der De-Esser kkorrigiert scharfe „S-Laute“. Gerade in der deutschen Sprache gibt es sehr viele Frequenzen, in diesem Bereich, die korrigiert werden müssen. Hier unterscheidet man zwischen den „Sch-Lauten“, die etwas tiefer in der Frequenz sind, als die „S-Laute“. Hierfür nutzen Sie entweder den „Fruity Multiband Compressor“ oder das „Maximus“ Tool. Der De-Esser ist letztendlich ein Mulitband-Kompressor, der S-Laute im Bereich 4 kHz bis 10 kHz senkt und die Stimme, in anderen Frequenzbereichen, präsenter macht.
Vocals zum Strahlen bringen
Effekte, wie Reverb, Delay, Chorus und Automationen bringen Vielfalt in Ihre Musikproduktion ein. Mit diesen Tipps bringen Sie Ihre Stimme nach Vorne:
Effekte
Geben Sie Gesangsaufnahmen durch Reverb mehr Tiefe und Räumlichkeit, erzeugen Sie mittels Chorus den Eindruck eines kleinen Chores, und erhöhen Sie durch frühe, kurzanhaltende Delays die Präsenz. Kurzanhaltende Delays nennen sich auch „Slap-Delays“. Die Einstellung der Feedback-Zeit ist sehr kurz und wird mit dem Mix-Regler eingebettet. Der Chorus-Effekt macht ihre Stimme ebenfalls breiter und lässt sie breitflächig klingen. Nutzen Sie, für die genannten Effekte, den „Fruity Reverb“, den „Fruity Chorus“ oder den „Fruity Delay 2“.
Achten Sie dabei darauf, dass die Effekte nicht in hohem Maße angewendet wird. Nutzen Sie zu Beginn, die Voreinstellungen von der DAW selbst, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie unterschiedlich ein Effekt klingen kann. Hier sind einige Beispiele, wie diese Effekte klingen:
DELAY:
SLAP-DELAY:
CHORUS:
REVERB:
Automationen
Automationen sind ein sehr interessantes Mittel, um Effekte in bestimmten Passagen an oder auszuschalten. Beispielsweise können Sie den Reverb-Effekt im Refrain hervorheben, um einen Effekt von Fülle und Breite zu schaffen. Den schalten Sie in der Strophe wieder aus.
Experimentieren Sie zusätzlich an besonderen Musik- oder Textpassagen mit ungewöhnlichen Effekten, wie Flanger, Metalizer, Vocoder und Pitch-shifting.
Eine Vocal-Kette in FL-Studio
Jede Stimme hat seine eigenen Besonderheiten und ist deshalb auch unterschiedlich zu handhaben. Dieses Beispiel soll lediglich als Leitfaden dienen und zeigen, wie man in FL-Studio Vocals bearbeiten kann:
- Newtone (Pitch-Editor)
- Fruity parametric EQ 2 (Surgical EQ)
- Fruity Compressor (Dynamik kontrollieren)
- Maximus (Mulitband EQ)
- Fruity Chorus (Chor-Effekt)
- Fruity Reeverb 2 (Hall)
- Fruity delay 2 (Echo)
- Fruity Parametric EQ 2 (Feinschliff)
In der Vocal-Produktion gibt es keine festen Regeln gibt. Unsere Tipps spiegeln das typische Vorgehen wider. Bleiben Sie aber experimentierfreudig und finden heraus, was zu ihrer Stimme und Musikstil am besten passt. Oftmals ist es hilfreich, sich an bereits veröffentlichten Stücken zu orientieren. Für den optimalen Musik-Mix müssen Sie Ihre Lautsprecher richtig aufstellen und mittels Goniometer aufs Panning achten.